FLEISCH FRISST DIE WELT! Gründe für die Nahrungsmittelkrise – und was Sie dagegen tun können Hunger durch Verschwendung Lebensmittel werden weltweit teurer. Während wir uns in Europa über „hohe Preise“ ärgern, herrscht anderswo bereits der Kampf ums nackte Überleben. Etwa 870 Millionen Menschen leiden heute in Lateinamerika, Nordafrika und Asien an Unterernährung, jede Minute sterben elf Kinder an Hunger. Die Ursachen dafür sind vielfältig: Mit dem Klimawandel nehmen Dürren und Missernten in vielen südlichen Ländern zu. Der verstärkte Anbau von „Energiepflanzen“ verknappt das Nahrungsmittelangebot, und Spekulanten treiben zusätzlich die Preise in die Höhe. Der wichtigste Faktor jedoch ist die fortwährend steigende Nachfrage nach tierischen Lebensmitteln. Von 1961 bis 2011 hat sich der globale Fleischkonsum von 71 auf etwa 295 Millionen Tonnen vervierfacht, bis 2050 soll er sich laut FAO nochmals verdoppeln. Eine riesige Verschwendung von Ressourcen – denn zur Herstellung einer Kalorie in Form von Fleisch müssen bis zu 30 Kalorien an pflanzlicher Nahrung verfüttert werden. Kein Wunder also, dass der Bedarf an landwirtschaftlichen Nutzflächen und Wasser geradezu explodiert – und damit auch die Preise. Fleisch frisst unser Klima Laut FAO ist die Fleisch- und Milchproduktion für 18 % aller Treibhausgasemissionen verantwortlich – mehr als der gesamte globale Verkehr. Einer Studie des Worldwatch Institute zufolge entstehen sogar über die Hälfte der von Menschen verursachten Treibhausgasemissionen durch Nutztierhaltung und die Verarbeitung von Tierprodukten. Allein das Methan, das die 1,4 Milliarden Rinder jedes Jahr bei der Verdauung produzieren, heizt die Atmosphäre so sehr auf wie zwei Milliarden Tonnen CO2. Fleisch frisst Wasser Als Folge der Erderwärmung nehmen Wasserknappheit und Dürre in den warmen Klimazonen dramatisch zu. Schon heute haben zwei Milliarden Menschen weltweit keinen Zugang zu sauberem Trinkwasser. Gleichzeitig wird für jedes einzelne Kilogramm Fleisch mehr Wasser aufgewendet, als jeder von uns in einem ganzen Jahr zum Duschen braucht. Fleisch frisst Menschennahrung 30 % der globalen Landfläche und 70 % der landwirtschaftlichen Nutzfläche dienen heute ausschließlich zur Produktion von Fleisch und anderen tierischen Nahrungsmitteln für den Menschen. 90 % der weltweiten Sojaernte und mehr als die Hälfte des angebauten Getreides werden von Schlachttieren und Milchkühen gefressen. Der größte Teil der Nahrungsenergie geht dabei über den tierischen Stoffwechsel verloren – beim Rind zum Beispiel über 90 %. Ohne diesen verschwenderischen Umweg könnten also mit der gleichen Menge Soja und Getreide rund zehn Mal so viele Menschen ernährt werden.Hungerkrisen sind in hohem Maße ein Produkt der Fleischwirtschaft. Fleisch frisst die Regenwälder Um Tiere für den menschlichen Verzehr zu züchten, werden Jahr für Jahr rund 325.000 Quadratkilometer Regenwald unwiederbringlich zerstört – eine Fläche annähernd so groß wie die Bundesrepublik. Dieser Raubbau an der grünen Lunge unserer Erde, der meist durch Brandrodung erfolgt, beschleunigt den Klimawandel. „Ein Stück Lebenskraft“ – tatsächlich? Die Ernährungswissenschaft weiß heute: Fleisch ist kein lebensnotwendiges Nahrungsmittel. Eine Langzeitstudie der Universität Heidelberg zeigt sogar, dass Menschen, die sich fleischlos ernähren, gesünder sind und eine höhere Lebenserwartung haben. Wer ohne tierische Produkte lebt, trifft also eine gute Entscheidung, für sich selbst und für unsere Welt. Welthunger bekämpfen Fast 9 Millionen Menschen verhungern jährlich, obwohl so viel Nahrung produziert wird, dass statistisch betrachtet kein Mensch hungern müsste. Jeder siebte Mensch auf der Welt hungert und hat keinen ausreichenden Zugang zu Lebensmitteln und Wasser. Neben Faktoren wie Getreidespekulationen, Agrarexportsubventionen, Landgrabbing und Kriegen, die den Welthunger begünstigen, ist die Grundursache des Hungers die Lebensmittelverschwendung – insbesondere die Verschwendung pflanzlicher Lebensmittel als Futtermittel. Je mehr Fleisch wir verzehren, desto mehr Getreide braucht die Welt, um alle satt zu bekommen und desto weniger können sich die Armen das Grundnahrungsmittel Getreide leisten. Für eine Beendigung des Welthungers ist eine Änderung unserer eigenen Ernährungsstrategie unabdingliche Voraussetzung: weg vom Fleischkonsum und weg von der Nutzung anderer tierischer Nahrungsmittel. „Die Weltlandwirtschaft könnte ohne Probleme zwölf Milliarden Menschen ernähren. Das heißt, ein Kind, das heute an Hunger stirbt, wird ermordet.“ Jean Ziegler, ehemaliger UN-Sonderberichterstatter für das Recht auf Nahrung